Mittwoch, 27. Februar 2002

Vienna Calling 2/2002

Vienna Calling 02/2002

Woche 2 in der Stadt mit den unfreundlichen Kellnern
und Verkäufern.

Ein Problem mit der Währungsumstellung (die in Österreich
noch lange nicht so weit fortgeschritten ist wie in Deutschland
- was aber auch kein Wunder ist bei des unsäglichen
Wechselkurs von 13,76 ATS für einen Euro) ist, dass anfänglich
noch Probleme beim Umrechnen auftreten können. Dies führt
dann dazu, dass gerade auch auf dem Flohmarkt des Naschmarkts
Phantasiepreise verlangt werden: "Was kostet das Buch?" -
"Hmmmm.... 50 Euro!" - "Was, für ein Carl Barks Comic?" -
"OK, 40 Schilling." Hätte ja aber auch klappen können...
Was mir allerdings auch sehr ausgedacht vorkam, waren die
EUR 3,10 für den kleinen (!) Cappuchino bei Starbuck's.

Anfang der Woche fand ein Einführungskurs für neue
Mitarbeiter der OSCE statt, an dem auch viele Mission-
Member, die ins Kosovo, nach Skopje oder Baku gehen,
teilgenommen haben. Unter anderem viele Police Advisers
aus der Türkei. Wobei natürlich die Frage bleibt: Wieso
Police Advisers ausgerechnet aus der Türkei?

Sehr schlimm allerdings war "Motivation & Cross-cultural
Relationships": Sie sind zum Essen eingeladen: kommen Sie
pünktlich oder eine Viertelstunde zu spät? Ihre kosovarischen
Kollegen rauchen sehr viel im Büro: Wie gehen Sie damit um?
Wenn die Welt ein Dorf mit 100 Einwohner wäre... usw.

Aber dafür hat man gelernt, dass es ein beliebter Zeitvertreib
in Prisztina sei, im Café zu sitzen und die Bedeutung der
Beschriftungen auf den vorbeifahrenden Pajeros und Jeeps zu
erraten: UNHCR, ODIHR, CMOCC, WHO, CoE, UNMiK, OMIK, ...

Wen's interessiert: Für einen guten Einblick in die
Arbeitsathmosphäre im Büro des Representative on Freedom of
the Media sei der kurze Aufsatz "Common Values, Different
History" wärmstens empfohlen. Zu finden ist er im letzen
Jahrbuch des RFOM auf Seite 129 oder unter:
http://www.osce.org/fom/documents/books/files/yb2000_2001.pdf

(auch hier auf Seite 129).

Diese Woche außerdem zu empfehlen: Die Käsespätzle und der
Veltliner im 12-Apostel-Keller und das Suarma-Sandwich auf
dem Naschmarkt (gibt zwar beim Essen eine unglaubliche
Sauerei, schmeckt aber "urlecker").

Bis demnächst, viele Grüße, küss die Hand und Baba,
derherrmoeller

P.S.: Und was gibt es eigentlich für eine Berechtigung für
einen "Brandy-Tag" (nein, nicht der Schnaps) auf VIVA?

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Kann man ein Land ernst nehmen, das aussieht wie ein Schnitzel?
-Wienerisch Teil II-

Bauernkasten - Bauernschrank
heurige - diesjährige
urlecker - sehr wohlschmeckend
um 13 Schilling 50 - für 1 Euro
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Mittwoch, 20. Februar 2002

Vienna Calling 1/2002

Vienna Calling I

Die erste Woche in Wien ist schon so gut wie vorbei und
ich habe mich einigermaßen eingelebt. Das Zimmer ist ganz
nett, sehr zentral und Wien an sich natürlich eine tolle
Stadt, auch wenn ich in der Woche die meiste Zeit arbeite.
Und da Wien keine besonders moderne Stadt ist, machen die
Geschäfte auch spätestens um 18 oder 19 Uhr zu, was ein
wenig schade ist.

Bei der OSCE habe ich den "administrativen" Teil so gut wie
hinter mir, das heißt ich habe einen Computerzugang und eine
e-Mail Adresse bekommen (drucken muss ich allerdings noch im
Nachbarbüro, bei den Policeadvisors for the F.Y.R.O. Macedonia,
da die IT-Section es nicht hinbekommt, meinem Computer DIN A4
beizubringen) und habe so allmählich alle Schlüssel,
Sicherheitsausweise und Chipkarten zusammen.

Die Verkehrssprache in der OSCE ist natürlich Englisch, was am
Anfang mal wieder etwas gewöhnungsbedürftig war. Insgesamt ist
natürlich alles sehr international: Unter meinen Kollegen sind
ein Weißrusse, der in der Ukraine studiert hat, eine Amerikanerin,
eine Bulgarin, die mittlerweile Österreicherin ist, eine Polin,
die mittlerweile Engländerin ist, eine Holländerin, ein Russe,
eine Schwedin, die zur dortigen finnischen Minderheit gehört uvm.
Daher kommt es dann auch, das man zum Beispiel folgende e-Mail
erhält:
"The Vienna International Centre (VIC) and the Commissary will be
closed on Friday 22 February 2002 which is an Islamic Holiday.
It is not an OSCE Holiday, and the shops are all opened.
I wish all muslim colleagues a happy feast."

Heute war ich auf einer Sitzung des Permanent Council in der
Hofburg (die von innen weit hässlicher ist, als man von außen
vermuten würde), bei dem die ständigen Vertreter aller 55
Mitgliedsnationen wöchentlich zusammenkommen. Da dort alle
offiziellen Sprachen simultan übersetzt werden, konnte man, wenn
es auf Englisch oder Deutsch mal langweilig wurde, mit seinem
Kopfhörer immer noch sehr schön ausprobieren, wie wenig Russisch,
Italienisch oder Spanisch man tatsächlich kann.

Zu meinen Aufgaben gehört unter anderem auch der Postversand. Der
Transport der Pakete zur Poststelle im selben Gebäude erfolgt auf
höchstem technischen Niveau, nämlich in einem "geliehenen" Billa-
Einkaufswagen. (Billa ist der hier übliche Supermarkt.) Dies sorgt
auch bei den Kollegen auf den Fluren für bewunderswerte Anerkennung.

Bei einer Rundtour durch das Gebäude wurde ich dann auch darauf
aufmerksam gemacht, dass eine Toilette auf unserem Flur nicht benutzt
werden könne: Dort wird nämlich bei Nichtbenutzung der Einkaufswagen
geparkt.

Bis demnächst, viele Grüße, küss die Hand und Baba,
derherrmoeller

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Kann man ein Land ernst nehmen, das aussieht wie ein Schnitzel?
-Wienerisch Teil I-

Abverkauf - Ausverkauf
Buslenker - Busfahrer
Mistkübel - Mülleimer
(in diesem Zusammenhang ist auch das "Misttelefon", ein Service
der Stadtreinigung, erwähnenswert)
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